Juli 2026

Rohr. Die siebte Auflage der „Scheunenlesung" von Autorinnen und Autoren des Südthüringer Literaturvereins geriet am Samstag, dem 18. Juli 2026, zu einem vollen Erfolg. Darin waren sich die mehr als 40 interessierten Gäste der Veranstaltung und die Akteure des Abends einig. Besucher der Lesung lobten die Vielfalt und Qualität der dargebotenen Arbeiten und die abwechslungsreiche Programmfolge. Es sei für jeden etwas dabei gewesen. Ein rundum gelungener und sehr gut angenommener künstlerischer Abend in Rohr, der nach einem Jahr Pause wieder viel Zuspruch fand – und damit auch die Aktiven bestärkte, auf ihrem schöpferischen Weg weiterzugehen.

Wo finden sich an einem Abend noch künstlerisch begabte Menschen zwischen 18 und 86 Jahren zu einem gemeinsamen Programm zusammen? Vereinsvorsitzender Holger Uske wertete das im Gespräch als einen der großen Vorteile eines Vereins, der schöpferisch aktive Menschen in seinen Reihen versammelt. Launig bemerkte Uske schon in seiner Anmoderation, dass der Südthüringer Literaturverein das immerhin schon seit 1990 so handhabe. Die meisten der vorgetragenen Texte, hieß es im Nachgang, seien erst in jüngster Zeit entstanden und hätten erst bei der am Nachmittag vorangegangenen Vereinstagung ihre (halb)öffentliche Feuertaufe bestanden. Davon allerdings dürften die außerordentlich interessierten Zuhörer wenig bemerkt haben. Sie verfolgten die Darbietungen mit großer Aufmerksamkeit und spendeten immer wieder auch Zwischenapplaus. Das Programm erwies sich als durchaus geschickt zusammengestellt in seinem Wechsel von Gedichten und kurzen Erzählungen, Frauen- und Männerstimmen, Liedern von Bernd Friedrich aus Suhl, der als einer der ältesten aktiven Liedermacher der Region hervorgehoben wurde, und kunstvollen eigenen Improvisationen des begabten jungen Gitarristen Lukas Eberwein.

Der literarische Auftakt oblag Theresa Werner aus Meiningen, die u. a. eigens für diese Lesung eine „Scheunenfabel" geschrieben hatte. Sandro Eberwein aus Eckental folgte ihr mit einer köstlichen Geschichte, wohin es führen kann, wenn KI einen neuen Reiseführer verfasst. Was hingegen ein Druckfehler im Telefonbuch verursachen könnte, beschrieb Dietmar Hörnig aus Breitungen in seinem Leidensbericht eines Physiotherapeuten wider Willen. Nach ihm setzte Sandra Eberwein lyrische Kontraste mit wunderbar zarten Liebesgedichten. Nun sollte auch ein Wort zu den Liedinhalten von Bernd Friedrich gesagt werden, der diese – wie alle Autoren – aus dem eigenen Leben generiert. Bei ihm stand das Reisen im Vordergrund – und auch die Veränderungen der Badekultur in der gegenwärtigen Zeit nach den jahrzehntelangen Freikörperkultur-Erfahrungen in der DDR ... Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach Hause und in Ihrem Garten – steht ein Kinderkarussell. Dem ging fein nuanciert Ulrike Blechschmidt aus Zella-Mehlis nach und erntete dafür viel Beifall. Manuela Ploch aus Meiningen hingegen setzte mit ihrer Lyrik eher nachdenklichere Akzente, wie auch der Lyriker Michael Carl, der, seit vielen Jahren nicht mehr in Südthüringen ansässig, darüber nachsann, wo er wirklich zu Hause ist. Überzeugend ebenso Harald Lindig aus Manebach, der in seinen Arbeiten gekonnt Zeitebenen übereinander zu schieben vermag. Zeit spielte auch in den Gedichten von Holger Uske aus Suhl eine wichtige Rolle, bis hin zu den Zeilen „Zeit sickert nach / Und frischt uns auf / Solange wir uns bleiben".

Zum Ende des immerhin 90-minütigen Programms kam schließlich Lokalmatadorin Iris Friebel zu Wort, die Folgen des Raubbaus an der Natur anhand eines Elfenlebens verdeutlichte. Und auch Martina Anschütz setzte sich in ihrem Text „Zwischen Schwarz und Weiß" für viel mehr Differenziertheit in unseren Auffassungen ein. Insofern spiegelten die Werke der 13 an diesem Abend agierenden Künstler vieles vom Leben hierzulande wider, auf feine poetische Weise. Möglicherweise muss man weit fahren, um solch eine ausbalancierte Aufführung hochaktueller und zugleich kunstvoller Texte erleben zu können. Die Besucherinnen und Besucher am Samstagabend hatten es da leichter: sie mussten nur bis in die „Kulturscheune" nach Rohr kommen, um lauschen und nachdenken, lachen und genießen zu können.

Wie verlautet, wollen die Akteure des Vereins Sigrid König und ihrem engagierten Team der „Kulturscheune" Rohr treu bleiben – vielleicht mit einer nächsten Sommerlesung 2027.

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