Nachtschrift – Buchcover

Zum 60. Geburtstag des Lyrikers erschien im quartus-Verlag Bucha bei Jena eine Zusammenstellung von Gedichten von Holger Uske. Sie vereint 88 Gedichte aus den Jahren 1977 bis 2014. Die Auswahl nahm André Schinkel aus Halle vor. Das Buch wurde zur Leipziger Buchmesse am 14. März 2015 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

„André Schinkel, selbst mehrfach ausgezeichneter Lyriker und Chefredakteur der Literaturzeitschrift ort der augen hat zum 60. Geburtstag Holger Uskes die besten Gedichte aus dem Gesamtwerk des südthüringer Autors ausgewählt: Zeitgedichte, Liedhaftes, Reisebilder – ‚und immer wieder wundervolle Liebesgedichte, die in ihrer Ansprache eines Gegenübers wuchtig und leidenschaftlich sein können, oft aber auch zart wie Gespinst. In der Nachfolge Walter Werners zeigt sich Uske dabei – in seinem Bemühen um eine absolute Punktgenauigkeit des Sprechens – als unbestechlicher Analyst für die Gebresten der Anwesenheit auf diesem kosmischen Staubhaufen Erde, als Sänger der Natur, auf einer unermüdlichen Suche nach Verortung.'" (André Schinkel)
Lesung auf der Leipziger Buchmesse 2015

Der Autor gemeinsam mit dem Herausgeber der „Weißen Reihe" und Gestalter des Bandes Dr. Jens-Fietje Dwars und der Autorin Vera Kissel (v.r.) zur Lesung auf der Leipziger Buchmesse am 14.3.2015.

Ausgewählte Gedichte · Die Weiße Reihe Band 5 · quartus-Verlag Bucha bei Jena 2015 · Mit einer Radierung von Horst Hussel · ISBN 978-3-943768-43-5 · lieferbar · 12,90 €
Bestellung im Buchhandel oder bei: quartus-Verlag D. Ignasiak, Über dem Dorfe 76, 07751 Bucha bei Jena · Tel/Fax: 03641 – 61 90 05 · quartus-verlag@t-online.de

NACHTSCHRIFT

Der Mond geht über mich hin

Treibt das Schwarz auf

Schwarz, sage ich, schwarz

Und die Buchstaben bleiben still

 

Ich weiß, dass sie springen können

Sie springen über den Rand des Papiers

Papier, Papier

Das noch blendet vor Licht

 

Wenn er über mich hingeht, der Mond

Sichel über Blätterrücken

Silbenfluter Schwarz

Die Zunge kostet zuerst

Nachtschrift – Rückseite

Rückseite des Buches

BEI GREIZ

Weit überm Tal, überm Fluss

Bin über den Dächern gewesen

Habe sie gar nicht berührt

 

Berühre nur dich. Du kamst

Aus dem Dorf an der Halde

Schiefer. Staub

 

Das tiefe Grün

Des Flusses, der Klang

Der Kräuter im Wort

 

Unterm Wind

Ankern die Farben, suchen

Die Felder ihr Haus

VON DER MAGIE DER ZAHLEN

Tief in den Bögen, den Strichen

Das Wissen: wie Stunden

Sich runden, eben noch

Aufeinander stürzende Linien

Zu Parallelen werden

Ziffernfolgen Fahrt aufnehmen

Aus dem Ruder laufen:

Alles hat mit mir zu tun

Und dir. Spiegel Haut

Das Pulsen unter der Schrift

Deine Hand, die ein Zeichen setzt

Auf meinen Arm

Geh weiter. Komm her

Unendlich ist

Jetzt

PICKNICK AN DER ILLE

Die Wiese gedeckt

Mit Rotwein, weißem Brot

Frisch erworbenen Tomaten

Kräftigem Käse, Kräutern

Eben am Wege gepflückt

Radfahrer winken uns zu

Kinder huschen

Abendsonne im August

Hinter der Weide am Fluss

Mannshohe Schatten: Beton

Für die Ewigkeit

Meinte Maginot

Das beinahe lautlose Wasser

Gläserklang über Gräsern

Für Momente leicht

Wie ein Schmetterling die Zeit

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