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Aufbruch des Windes
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Im November 2025 entschloss sich Holger Uske, einen Lyrikband herauszugeben, der schon 1986 bei einem Verlag der DDR eingereicht wurde. Es hätte sein erstes Buch werden können. Es blieb damals ungedruckt. In einem Geleitwort schreibt der Autor dazu: Vom alten und neuen Widerstehen Warum dieses Buch? Normalerweise stellt sich am Anfang eines Buches eine solche Frage nicht. Der Autor legt es in die Hände der Leser. Mögen die entscheiden, ob Bedarf daran ist. Bei diesem Buch ist es anders. Das Manuskript dazu wurde Mitte November 1986 beim Union Verlag Berlin eingereicht. Eine etwa zweijähriger Verlagsarbeit zwischen der Lektorin Dorothea Matschuk und dem Autor schloss sich an. Dann kam es zu Geschehnissen, die untypisch für die DDR mit (finanziellen) Fördermaßnahmen des Bezirkes Suhl, vorgeschlagen vom damaligen Schriftstellerverbands-Vorsitzenden Landolf Scherzer, zusammenhingen und zu einer daraus folgernden Befangenheitserklärung der Lektorin führten – was die Zusammenarbeit beendete. Ich habe in den mir zugänglich gemachten Akten des noch bis 1987 gegen mich laufenden Operativen Vorgangs "Alternative" der Staatssicherheit der DDR wegen meiner (nebenberuflichen) literarischen Arbeit nichts dazu gefunden. Im Juli 1990, die D-Mark war eben eingeführt worden, erhielt ich das Manuskript zurück. Es war nicht zur Veröffentlichung gelangt. Welche Wirkung hätte dieses Buch erzielen können in den Jahren bis hin zur Friedlichen Revolution? Diese Frage ist eigentlich müßig. Denn kann Literatur überhaupt gesellschaftliche Prozesse beeinflussen? Heute, 2025, mitten in einer rapiden Änderung des Leseverhaltens, wird es sicher andere Antworten geben als damals. Die Kraft des Wortes ist im Schwinden. Als mir das Manuskript jüngst wieder in die Hände fiel, war ich selbst von manchen meiner Texte überrascht. Die hatte ich wirklich mit eingereicht? Freunde unterstützten mich nun, mit fast 40-jähriger Verspätung das Manuskript als ansehnliches Büchlein ans Licht der Welt zu bringen: Andreas Kuhrt mit seiner Gestaltungskunst und Annette Wiedemann durch ihre Erlaubnis, Arbeiten von ihr zu nutzen. Grafiken von ihr hatte ich schon 1986 mit zum Verlag gegeben. Die nun ausgewählten stammen aus Kalendern mit Suhler Motiven von 1991, als das Stadtbild noch tiefe Spuren der DDR-Zeit aufwies. Der Text allerdings blieb unverändert, bis hin zur Schreibweise von damals. Ich hoffe, dass dieses lediglich in einer Kleinstauflage gedruckte Büchlein mehr ist als nur ein Zeitzeugnis. Denn es erzählt auch vom (beinahe) Möglichen von einst und vom damals wie heute nötigen mutigen Widerspruchsgeist, um auch geistig zu überleben. Der "Wind" im "Wald" ist noch immer – oder längst wieder zum Sprung bereit. |
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Der Buchtitel mit der Grafik "Sommer auf engem Raum" von Annette Wiedemann. |
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AUFBRUCH DES WINDES
Hinter Nebelbänken Versammelt ist im Wald Der Wind, zum Sprung bereit Doch kaum ein Hauch hat Aussicht Weites Land zu sehn Riesenräder, Mühlen Glocken Dunst wie Steine Sperren ab den Weg Schwer, dies stumme Beben Windbruch, so schrein sie schon Seiner ersten Übung nach Und wissen weiter nichts Da sichs wieder ballt Vor-Boten brechen auf Dunkel wird die Luft Sturm: Aufstand der Seelen Sturm: Verhängnis Gewissen Hei!, wie nun der Staub All die Straßen peitscht Hei!, was eben galt Wird Windsbraut sein Herrlich, wie die Scheiben Zittern, klirren: Angst Wo Macht war noch Im letzten Augenblick Frontberichte melden: Alter Staub nur ist's Staub, denn unsichtbar Nistet es in Ohren Läßt die Stille gelln Setzt sich in die Augen Welch ein Wischen rings Hebt an, als ob schon Nebel Zwischen allen Bänken wär Im Walde aber, sagen sie Ging der Wind verloren
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| Aufbruch des Windes. Gedichte 1975 - 1986 mit Grafiken von Annette Wiedemann. Edition Sinnbild Suhl 2025. 124 Seiten 15 Euro | |
| Weiteres siehe unter Leseprobe | |